Freitag, 27. Juni 2014

Mit einem Zeh im Journalismus


„Ich volo gern ’was mit Medien machen“ – kennt man, hört man, nervt Mann! Es ist ja nicht so, dass den faulen Medienleuten alles zufliegt. Nur die Besten kämpfen sich durch die Schlingpflanzen des Mediendschungels, ohne sich an einer selbst zu strangulieren. Während der Typ praxis-orientierter Tarzan sich tapfer durch den Dschungel manövriert,  schreien die neidischen Affen immer lauter. Das ist eben alles, was sie können: Schreien. Der Typ intelligenter Forscher hingegen, forscht und forscht und forscht, vergisst dabei jedoch die Praxis. Am Ende darf sich nämlich nicht jeder ruhmreich „Medienfuzzi“ oder „Medienguru“ nennen, deshalb werden von vornherein die weichen Bananen von den harten Kokosnüssen getrennt. Kokosmilch schmeckt nun mal wirklich lecker! Immerhin schaffen es 2 von 200 Bewerbern sich durch Ellenbogentechnik oder Bewerbungsklau durchzusetzen.


Als Belohnung für die Lebenslaufjäger gibt es ein Volontariat. Sogar das schlaue Wikipedia spuckt unter diesem Begriff eine „gesetzlich nicht genau geregelte Ausbildung“ aus. Besser gesagt, eine Ausbildung zum Redakteur im journalistischen Sinne, im Zweifelsfall auch zum Kaffeespezialisten, je nachdem in welcher Ecke des Dschungels man gelandet ist. Im Camp Tarzan darf man viel machen, man hangelt sich von Liane zu Liane, bekommt viel zu sehen und, wie man es nennt, „branchenübliche Vergütung“. Als verzweifelte Jane lässt man ein sechsmonatiges Praktikum ohne „Money-Mashine“ über sich ergehen, damit erst danach entschieden wird, ob die Jury einen in den Recall schickt oder nicht. Wenn man das Glück hat, bekommt man 600€ Netto und kann sich aus ein paar Grashalmen eine Hütte bauen.

Ist man bereits von der Volontaritis befallen, kommt jede Hilfe zu spät. Kein „Doktor Bob“ der Welt kann einen dann noch mit Ratschlägen in seinem Fachenglisch berieseln. Am Sterbebett säuselt man die letzten Worte mit geknickter Stimme: „Ich bin ein Medienopfer – holt mich hier raus!“ Überlebt man das Übel, weil „die Geissens“ ein glamouröses Botoxgegenmittel erfunden haben, geht der Zirkus von vorne los. In der Medienwelt gilt eben das Motto: Nothing ist unpossiblich.

Als einziger Ausweg bleibt die Krankmeldung mit der Begründung: „Ich habe mich von den Folgen der Volontaritis nicht erholt.“

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